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8 einfache Tipps zum perfekten Kameraequiment

Häufig werden wir gefragt: Welche Kamera soll ich kaufen ? Welches Zubehör brauche ich ? Welches nicht ?

Wer ein neues Kameraequipment, Foto- oder Videoausrüstung kaufen möchte, steht vor vielfältigen Herausforderungen. Natürlich soll das gewünschte Equipment ein möglichst grosses Spektrum an Einsatzmöglichkeiten bieten, gleichzeitig soll es wahlweise besonders leicht, besonders stabil, preiswert, aber mit 1A Qualität oder am besten alles in einem sein. Die Quadratur des Kreises ? Vielleicht.

Nachdem ich zum gleichen Thema zusammen mit Hagen Stephan von Teltec auf der Campixx Week 2016 einen Vortrag halten durfte, findet Ihr im  folgenden Artikel einige Tipps aus meiner über 20 jährigen Erfahrung in der Foto-, Film & Videobranche, die bei der Auswahl Eures Video-Equipments eine Rolle spielen sollten.

Ich habe versucht, herstellerneutral und objektiv zu bleiben und keine einzelnen Geräte zu empfehlen, weil sich das sowieso ständig ändert.  Ausgangspunkt meiner Überlegungen war der (semi-)professionelle Einsatz von Video- und Kameraequipment - aber letztendlich sind viele Überlegungen auch für den ambitionierten Hobby-Videofilmer bzw. Fotografen anwendbar.

Wer konkrete Fragen zu speziellen Geräten hat, kann sich gerne bei uns melden  - wir beraten gerne und ausführlich .

 

1. Eine gute Basis

Gute Stative sind wie gute Freunde: Man hat sie ein Leben lang und kann sich auch mal an ihnen festhalten. Wenn man nicht alles Handheld dreht, dann braucht man ein gutes Stativ und einen guten Schwenkkopf. Nichts sieht unprofessioneller aus, als ein verwackelter Schwenk (ok…. unmotivierte Zoomfahrten, aber auch die sehen noch bescheidener aus, wenn sie von einem Wackelstativ gemacht werden). Zeitraffer und / oder Langzeitbelichtungen ohne ein stabiles Stativ zu versuchen, ist ein aussichtsloses Unterfangen.

Mein gutes altes Heiler Carbon Stativ - alt, hässlich - aber verlässlich Mein gutes altes Heiler Carbon Stativ - alt, hässlich - aber verlässlich

Ehrlich Leute - ob Eure Kamera 8 oder 10 Bit Video aufzeichnet, in HD oder 4 K, RAW oder Jpg sieht doch am Ende kaum jemand wirklich. Ob Ihr ein wackliges Stativ oder einen Gurken-Stativkopf dabei hattet, sieht sogar Eure Oma.

Ein gutes Stativ hält, sprichwörtlich, ein Leben lang und wird die Qualität Eurer Arbeit noch positiv beeinflussen, wenn die aktuellen Kameramodelle schon im Museum verschimmeln.  Am besten geht Ihr mal zu einem Händler Eures Vertrauens und lasst Euch ein paar Modelle vorführen. Hier macht es Sinn, auf Qualität zu achten, denn wie oben schon erwähnt, geht Ihr hier hoffentlich eine längere Verbindung ein.

Gute Markenstative, bzw. Stativköpfe kann man auch gebraucht kaufen. Dabei solltet Ihr darauf achten, dass alle Bremsen in den Beinen und am Kopf funktionieren, Friktionen des Stativkopfs gleichmässig und ohne Ruckeln laufen, sich die Position des Stativkopfes beim Anziehen der Bremsen nicht verändert (was auf ausgelutschte Bremsen hindeutet) und dass sich die Stativebeine leicht herausziehen lassen. Dann kann man nicht all zu viel falsch machen.

 

 

2. Glas ist geil !

65 mm Zeiss T1.3 Objektiv 65 mm Zeiss T1.3 Objektiv

Es gibt grössere Glasfetischisten als ich es bin - aber die Wichtigkeit eines guten Objektivs für ein gutes Bild kann ich gar nicht hoch genug bewerten. Gut meint in diesem Fall auch nicht unbedingt teuer. Es gibt durchaus im niedrigeren Preissegment Objektive, deren Abbildungsqualität sich echt sehen lassen kann. Hier gilt aber auch: There is no free lunch - will sagen: Wer preislich auf die Bremse tritt, muss auch Abstriche bei der Bildqualität (Schärfe, MTF und Aberrationen), der Vollformattauglichkeit, des Fokus bzw. Autofocus, der Lichtstärke usw. machen.
Aber wenn man z.B. niemals im Vollformat arbeitet, macht es auch keinen Sinn, für viel Geld Vollformatobjektive zu kaufen, wo es vielleicht günstigere Alternativen für Crop Sensoren gegeben hätten. Anders herum kann man z.B. mit Speedboostern aus einem (Vollformat-)Objektiv zwei Brennweiten (oder im Falle von Zoomobjektiven, zwei Brennweitenbereiche) machen (und nebenbei noch eine Blende rausholen ;-) ) Meiner Meinung kann ein Objektiv gar nicht lichtstark genug sein - abblenden kann man ja immer und im Notfall gibt es ja auch noch ND Filter. Aber klar, die lichtstärkeren Objektive kosten einfach mehr, sind aber meistens auch die besseren Scherben, mit weniger Aberration, besserer Kontrastübertragung (MTF) und knackigerer Schärfe.

Wer viel filmt, sollte über Cine Objektive, bzw. entsprechend modifizierte Fotoobjektive nachdenken. Ummodifizierte Fotoobjektive sind in erster Linie für Fotografie gedacht, das kreative und gestalterische Schärfenziehen gehört nicht zu den Stärken dieser Linsen. Auch ist häufig die Blende nur in Stufen verstellbar, was beim Filmen störend sein kann.
Inzwischen gibt es allerdings einige Videokameras/Camcorder und sogar Objektivadapter, die z.B. Canon (und kompatible) EF Objektive elektronisch steuern können, so dass man mit entsprechendem Zubehör dann Schärfe und Blende elektronisch einstellen kann.

Wichtig sind nicht unbedingt nur technische Parameter - der Look muss stimmen. Mit dem richtigen Objektivsatz kann man sich sogar einen eigenen „Signature“-Look kreieren. Objektive altern in Würde - Für manche Objektive gilt heute, was für guten Wein gilt: extrem selten, staubig und unbezahlbar.

Aber auch nicht ganz so hippe Gläser kommen in der Regel noch nach ein paar Jahren auf einen Wiederverkaufswert von ca. 80% des Originalpreises. Wer schlau ist, kauft Objektive, die mit verschiedenen Kameras verwendet werden können, z.B. professionelle PL-, Nikon oder Canon EF-Mount Objektive. Viele Objektivhersteller haben inzwischen auch Wechselmountsysteme, so dass man ggf. den Objektivmount wechseln kann.

Filter sind zwar nicht wirklich Objektive, gehören aber thematisch, meiner Meinung, am ehesten in diese Kategorie. Es gibt einige Standardfilter (Pol, ND), die gehören einfach in jede Kameratasche. Aber auch zum Definieren eines persönlichen Looks kann man Filter gut verwenden - in diesem Fall dann eher Diffusionsfilter. Aus der Mode gekommen sind Farbfilter, das geht heute doch einfach besser in der Postproduktion. Aber wer sich näher mit kinematographischer Bildgestaltung befasst, sollte sich auch mit Filtern auseinandersetzen.
Empfehlen würde ich in der Regel rechteckige Glasfilter (z.B. in 4x5,65“) in Kombination mit einer Mattebox (s.u.). Einschraubfilter sind kleiner und sparen Platz, sind aber auch nicht so flexibel.

 

3. Der Ton macht die Musik

Man mag es kaum glauben, aber was die meisten Menschen beim Fernsehen stört, ist nicht etwa ein schlechtes oder verrauschtes Bild. Aber wehe, wenn der Ton gestört ist. Aus leidvoller eigener Erfahrung kann ich berichten, dass, egal wie gut und toll Euer Inhalt ist, wenn der Ton Mist ist, ist der Ton Mist und niemand achtet mehr auf Inhalt oder so etwas nebensächliches wie ein schönes Bild.

Interessanterweise wird dem Ton in der Produktionswirklichkeit oft nicht im geringsten die Aufmerksamkeit zu teil, die er verdient.
Onboard Mikrofone sind zwar unglaublich praktisch, der von Ihnen aufgenommene Ton, inkl. der Geräusche, die Kamera, Kameramensch und -AssistentIn so verursachen, ist aber häufig fast unbrauchbar. Gönnt Euch und Euren potentiellen Zuhörern/Zuschauern gute Mikrofone und idealerweise ein- oder mehrere Funkstrecken. Es müssen nicht gleich High End Mikros zu sein, aber Interviews mit einem iPhone Kopfhörermikro aufzunehmen, ist auch nicht so doll. Es gibt sogar für Smartphones Ansteck-Mikrofone verschiedener professioneller Hersteller und die eingebauten Mikrofone verschiedener portable Audiogeräte sind auf jeden Fall besser, als ein eingebautes Kameramikrofon einer DSLR.
Denkt auch hier über das Zubehör nach. Billige Kabel oder Tonangeln, die so schwer sind, dass man nach 5 Minuten halten lahme Arme bekommt, machen keinen Spass. Windkörbe und Felle sind Pflicht, wenn man nicht nur im Studio dreht. Audiomischer sind eine feine Sache, viele können heute sogar gleich noch einen Mix mit aufzeichnen (sind also eigentlich Recorder) - besonders interessant, wenn zwischen Kamera und Mischer eine Funkstrecke arbeitet.

Vorsicht beim Gebrauchtkauf von Audiofunkstrecken - durch die Einstellung des UHF Fernsehbetriebs stehen einige Frequenzen jetzt nicht mehr zur (legalen) Verfügung. Daher lasst euch da in jedem Fall beraten, damit Ihr nicht am Ende Ärger mit der Regulierungsbehörde bekommt.

Gebrauchte (drahtgebundene) Mikrofone deutscher Markenhersteller kann man auch gut gebraucht kaufen - die halten bei entsprechender Verwendung ewig.
Wer professionell Video aufzeichnen will, muss sich einfach Gedanken zur Tonaufzeichnung machen.

 

4. Es werde Licht

Wenn die Kamera die Leinwand ist und das Objektiv der Pinsel, dann ist das Licht die Farbe. Der gestalterische Einsatz von Licht ist DIE Kernkompetenz eines jeden Kameramenschen - durchgucken und auf den roten Knopf drücken könnte ein Schimpanse ja auch.
Inzwischen gibt es viele LED Leuchten, die bezahlbar und qualitativ ausreichend gut sind. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der „LEDisierung“ ist, dass die herkömmlichen HMI und Kunstlichtleuchten gebraucht häufig sehr günstig angeboten werden. Da kann man durchaus ein Schnäppchen machen und diese Lampen sind dann häufig auch noch für viele Jahre gut.
Wer unbedingt etwas neues kaufen will, oder sich nicht mit gefühlt tonnenschweren HMI Vorschaltgeräten, riesigen Kunstlichtlampen oder altersschwachem Flo-Licht rumplagen will, der sollte sich mit LED Flächenleuchten beschäftigen. Hier gibt es inzwischen eine Vielzahl an Herstellern mit Produkten für fast jedes Budget.  Der nicht mehr ganz neueste Schrei sind die sogenannten Bi-Color Leuchten, deren Farbtemperatur sich zwischen Kunst- und Tageslicht einstellen lässt. Einige (teurere)  Leuchten erlauben auch, farbiges Effektlicht einzustellen.
Wie auch in den eingangs schon erwähnten Bereichen sollte man im Licht ebenfalls das Zubehör nicht ausser Acht lassen. Die beste Lampe ist ziemlich nutzlos, wenn man kein vernünftiges Stativ dazu hat. Sandsäcke, Reflektoren, Diffusoren, Folienrahmen, Klemmen, Magicarme usw. gehören in ein halbwegs brauchbares Licht- bzw. Kameraequipment genau so, wie die Lampenköpfe und Stative.

 

5. Alles eine Frage der Perspektive -  sinnvolles Zubehör

Vor einigen Jahren brauchte man ziemlich viel Geld, ein grosses Fahrzeug und kräftige Arme, um eine Kamerafahrt mit einem Dolly oder einem Wundergerät namens Steadicam bewerkstelligen zu können. Doch dank ständiger Verkleinerung der Kameras und einiger findiger Tüftler haben wir heute die Möglichkeit, unsere Kameras in ungeahnter Weise zu bewegen. Mit Kameraslidern können wir kurze Kamerafahrten machen und so unserem Bild mehr Tiefe verleihen, sogar programmier- und exakt wiederholbar. Mit programmierbaren Pan & Tilt Köpfen können wir Schwenks- und Fahrten programmieren, immer wieder wiederholen, Panorama und Timelapse-Aufnahmen machen. Mit Gimbal Rigs können wir Kamerafahrten realisieren, die vor einigen Jahren technisch einfach unmöglich gewesen wären - und das alles zum Preis eines guten Objektivs.

eMotimo Spectrum & Dynamic Perception Stage One Slider Kameraequipment eMotimo Spectrum & Dynamic Perception Stage One Slider

Auch Handheld Rigs, zusätzliche Handgriffe und Käfige, sogenannte Cages, Support Systeme mit 15 mm Rohren sind sinnvolle und nützliche Anschaffungen. Hier kann man viel Geld für viel unnötigen Schnickschnack ausgeben. Vorsicht bei speziell auf bestimmte Kameramodelle zugeschnittenen Cages - manchmal passen die schon mit dem Nachfolgemodell nicht mehr zusammen. Ausserdem sollte darauf geachtet werden, dass alle Anschlüsse frei zugänglich (oder nach aussen gelegt) sind und auch der Akkuwechsel keinen Ausbau der Kamera aus dem Cage erfordert (alles schon gesehen….).
Wer mit Cine Objektiven arbeitet, sollte auf jeden Fall das Geld für einen Follow Focus ausgeben - auch bei Fotoobjektiven kann so ein Follow Focus sehr nützliche sein, besonders bei extrem kurzen Focuswegen vieler DSLR Objektive.
Eine Mattebox, oder Kompendium, ist ein sehr nützliches Zubehör für alle, die gerne mit Filtern arbeiten. Ausserdem dient die Mattebox dazu, ungewünschtes Licht vom Objektiv fernzuhalten. Häufig gibt es günstige Bundles von 15 mm Supportsystem, Follow Focus und Mattebox.

 

6. Power to the Bauer

Wir haben jetzt schon viel über alle möglichen Zubehöre gesprochen - jetzt wird es noch mal richtig wichtig. Ohne ausreichende Stromversorgung wird jeder Dreh, jede Zeitrafferaufnahme, jedes Shooting ein Desaster, so viel kann ich schon jetzt versprechen. Häufig hat man weder die Möglichkeit, noch die Zeit, Akkus während des Drehtages wieder aufzuladen. Aber ohne Strom arbeitet weder eine Kamera, noch ein Audiomischer, noch ein Monitor oder sonst irgendein wichtiges Gerät am Set. Daher kann ich nur raten, die Anschaffung von Akkus nicht als letzte Priorität zu betrachten. Neben kameraspezifischen Akkusystemen haben sich vor allem Sony V-Mount kompatible und Akkus mit Anton Bauer Mount durchgesetzt. Für viele Kameras, Monitore und auch Lampen gibt es Adapter für V-Mount oder Anton Bauer, so dass ggf. nur ein Akkutyp angeschafft werden muss. Unabhängig vom Akkutyp würde ich als Mindestanzahl ein Set aus 3-4 Akkus pro zu versorgendem Gerät bezeichnen. Bei den Ladegeräten ggf. darauf achten, dass mehrere Akkus gleichzeitig geladen werden können.

Im Low Cost Bereich sind die sogenannten Power Banks, die es von verschiedenen Herstellern gibt, eine gute und günstige Alternative.

 

7. Big data

Für Speichermedien gilt, ähnlich den Akkus: es gibt kein zu viel. Je mehr Speichermedien, desto besser. Ich empfehle in der Regel, lieber etwas kleinere Medien in grösserer Anzahl als nur ein oder zwei grosse Speichermedien zu verwenden. Warum ? Ist doch klar. Wenn eine „grosse“ Karte in die Elbe fällt und der halbe Drehtag futsch ist, ist das tragischer, als wenn nur die letzen 2 Stunden wiederholt werden müssen, weil die Speicherkarte einem gierigen Karpfen zum Opfer fiel. Speichermedien sind ein echter Kostentreiber, also in der Kalkulation nicht vergessen. Anzahl und Grösse der Medien ist sehr stark von der verwendeten Kameratechnik abhängig, deshalb kann ich als Faustregel nur empfehlen, möglichst genug Speicherkarten für einen durchschnittlichen Drehtag vorzuhalten.
Was ausserdem gerne vergessen wird: digitale Medien brauchen viel Festplattenspeicherplatz  - also immer daran denken, genug (leere) Festplatten/SSDs am Start zu haben, damit man nicht während der Produktion plötzlich Speicherplatzmangel beim Backup hat.

 

8. Reden wir jetzt auch mal über Kameraequipment , oder was ?

Die Kamera ist ja eigentlich das Gerät, an das alle zuerst denken, wenn eine Kameraausrüstung angeschafft werden soll. Wie schon in den oben stehenden Absätzen erwähnt, ist sie aber nicht der einzige und vielleicht auch nicht der wichtigste Teil der Ausrüstung. Natürlich gibt es für die Anschaffung einer Kamera auch Anforderungen, die man nicht ignorieren darf, z.B. wenn der (Haupt-) Auftraggeber ein bestimmtes Format verlangt. Aber häufig erlebe ich, dass ein gewisses Wunschdenken, bzgl. der potentiellen Aufträge, bzw. Auftragsformate schnell die Kosten für die Kamera in die Höhe treiben. Klar wäre es toll, in Zukunft nur noch 8K High End Werbungen zu drehen, aber wenn das nicht jede Woche vorkommt, dann vielleicht doch lieber das günstigere Kameramodell kaufen und den High End Boliden im Zweifelsfall einfach für die zwei Tage im Jahr mieten ?
Es gibt in jeder „Kamerageneration“ Brot - und Butter-Modelle, die zu Ihrer Zeit und in ihrem Markt einen gewissen Standard setzen, sowohl preislich, als auch qualitativ. Eine schnelle Google Recherche, Slashcam.de, reduser.net, creative-cow.com bieten einen Überblick über das, was gerade so in der Filmgemeinde diskutiert wird. Auch ein Blick auf die Websites der diversen Rentalhäuser kann weiterhelfen.

Ich habe versucht, in diesem Artikel keine Markennamen oder Produkte zu verwenden, damit der Artikel nicht morgen schon wieder veraltet ist. Aber das Prinzip ist immer das gleiche: Es lohnt sich in der Regel nicht, in „Oddballs“ zu investieren. Kameras, die kein Mensch kennt und keiner hat, sind meistens nicht wirklich interessante Geräte und im Schadens- oder Problemfall kann man dann noch nicht mal ein Ersatzgerät mieten, weil es keine gibt. Ausnahme sind hier natürlich Spezialgeräte, wie Highspeed-Kameras, aber das ist ein anderes Thema. Ich will auch nicht missverstanden werden, dass diese Oddballs nicht auch gute, qualitativ hochwertige Geräte sind - das sind sie sogar ganz bestimmt und vielleicht ist es auch gerade das, was einen potentiellen Käufer daran reizt. Aber sie sind nicht notwendigerweise eine gute und sichere Investition. (Wiederverkaufswert!)

Meine Empfehlung ist, zu analysieren, welche Projekte im Laufe eines Kameralebens (sagen wir mal 36 Monate) zu erwarten sind, welche Anforderungen produktionsseitig bestehen (z.B. Grösse, Gewicht, bestimmte Aus- oder Eingänge oder auch das Aufnahmeformat) und danach würde ich dann die Kamera aussuchen. Dabei auch immer an den Wiederverkauf denken, denn das ist ein wesentlicher Faktor bei der Ermittlung der sogenannten Total Costs of Ownership. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es z.B. sicher keine gute Idee, in ein Gerät zu investieren, dass nur HD und nicht 4 K produzieren kann, auch wenn’s billig ist. In 3 Jahren wird 4 K auch noch ein Thema sein, der Wiederverkaufswert also ggf. höher als bei einer HD Kamera. So kann die (jetzt)  teurere Kamera am Ende billiger sein, als wenn jetzt ein paar Euro beim Kauf eingespart werden können.
Da die Produktzyklen der Hersteller inzwischen absurd kurz geworden sind, muss man als Anwender in der Regel auch nicht jede Gerätegeneration mitmachen. Oft sind die neuen Generationen nur mit Features ausgestattet, die man vorher auch schon nicht unbedingt vermisst hat. Never change a running system -  solange es den Anforderungen gerecht wird. Die Kunst ist, nicht so lange mit dem Verkauf zu warten, bis das Gerät gar nichts mehr bringt, es aber auch nicht zu früh zu verschleudern.

Die Kamera ist mit Sicherheit eins der am meisten ausgetauschten Teile eines Kameraequipments. Objektive, Zubehöre und Stative kann man über mehrere Kameragenerationen verwenden. Daher empfehle ich immer eine pragmatische Herangehensweise. Welches Gerät kann die (realistisch betrachteten) Anforderungen erfüllen ? Wie ist der potentielle Wiederverkaufswert ? Wie ist die Verfügbarkeit ? Es nutzt nichts, sich auf ein Gerät zu versteifen, was erst in 12 Monaten lieferbar wird, wenn es eine lieferbare Alternative gibt.
Ein weiteres Thema ist Support. Wie ist der Herstellersupport ? Welche Garantieleistungen / Supportprogramme gibt es ? Auch hier kann ein vermeintlich teureres Gerät die günstigere Alternative sein. Oder umgekehrt…
Speichermedien - oben schon erwähnt. Verwendet die Kamera teure proprietäre oder günstige Speichermedien, wie z.B. SDHC Karten oder SSD’s.

 

1/3 Kamera + 2/3 Equipment = 1 Kameraequipment

Wie in den vorangegangenen Absätzen deutlich wird, ist die Kamera nur ein verhältnismässig geringer Teil der Gesamtinvestition in Film- und Kameraequipment. Ich habe mal statistisch aus einigen Beispielen ermittelt, dass man davon ausgehen kann, dass die Kamera bei einem gängigen und sinnvoll zusammengestellten Equipment ungefähr 30-50 % der Gesamtkosten ausmacht. Das bedeutet, wenn man ein Equipment komplett neu anschafft, sollte man davon ausgehen, dass man ca. 1/3 des Budgets für die Anschaffung der eigentlichen Kamera, 2/3 in das Zubehör, Ton, Licht usw. stecken muss. Wenn man später nur die Kamera, bzw. das kameraspezifische Zubehör austauscht, verändert sich das Verhältnis natürlich in Richtung der Kamera.

Auch wenn es vielleicht eine Binsenweisheit ist, sich dieses Verhältnis noch mal vor Augen zu führen, ist doch ganz erhellend und beugt evtl. teuren Fehlern vor.

Wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt, schreibt uns einfach.